Goldmedaille für Vivian Groppe bei den Hessischen Meisterschaften

Mit dem Gewinn der Goldmedaille über 200 Meter sorgte Vivian Groppe (MT Melsungen) bei den Hessischen Meisterschaften der Frauen und Männer in Darmstadt für die größte Überraschung aus Melsunger Sicht. Weniger glücklich verliefen die Titelkämpfe für Maximilian Hartmann (1500 m) und Lorenz Funck (5000 m), die trotz großem Einsatz jeweils knapp das Podium verpassten und sich mit undankbaren vierten Plätzen begnügen mussten.

Erst wenige Tage vor den Meisterschaften war Vivian Groppe aus den USA nach Melsungen zurückgekehrt. Bereits beim Abschlusstraining im Waldstadion hinterließ sie einen ausgezeichneten Eindruck. Mehrfach absolvierte sie die 80-Meter-Testläufe in unter 9,70 Sekunden, ein Leistungsniveau, das auf eine Zeit unter 11,70 Sekunden über 100 Meter schließen ließ. Dennoch entschied sie sich in Absprache mit ihrem Heimtrainer gegen einen Start über die kürzere Sprintdistanz, obwohl auch dort Medaillenchancen bestanden hätten.

Dabei wurden Erinnerungen an die Hessischen Jugendmeisterschaften in Gelnhausen wach, wo Groppe vier Jahre zuvor beide Sprinttitel gewonnen hatte. Damals siegte sie über 100 Meter in 11,88 Sekunden und setzte sich auch über 200 Meter mit 24,54 Sekunden durch.

Die Meisterschaften in Darmstadt wurden zunächst durch ein Gewitter für mehr als eine Stunde unterbrochen. Statt der ursprünglich gemeldeten 35 Athletinnen gingen schließlich nur 21 Sprinterinnen in drei Zeitvorläufen an den 200m-Start. Viele verzichteten aufgrund der Witterungsbedingungen oder verletzungsbedingt auf eine Teilnahme.

Im zweiten Vorlauf erledigte Vivian Groppe bei schwülwarmen Temperaturen von über 25 Grad ihre Aufgabe souverän. Nachdem Felicia von Follenius (Neu-Isenburg) den ersten Vorlauf in 25,04 Sekunden vor Sila Sönmezcicek (Viernheim, 25,10 Sekunden) gewonnen hatte, qualifizierte sich Groppe mit locker herausgelaufenen 25,01 Sekunden als Schnellste ihres Laufs für das Finale. Hinter ihr folgte Lucy Weingarten (Gießen) in 25,41 Sekunden. Nach Abschluss der Vorläufe galt die MT-Sprinterin als Favoritin. Dazu trug auch bei, dass Sila Sönmezcicek, die im Vorjahr über 100 Meter starke 11,32 Sekunden gelaufen war, nach einer längeren Erkrankung erst zwei Wochen zuvor ins Training zurückgekehrt war. Obwohl sie sich mit ihrem zweiten Platz im Vorlauf für das Finale qualifiziert hatte, verzichtete sie aus Vorsicht auf einen weiteren Start.

Im Finale zeigte die frühere deutsche U18-Meisterin bereits auf den ersten Metern ihre Klasse. Sie lief technisch sauber durch die Kurve, nahm ihre Geschwindigkeit optimal mit und bog als Erste auf die Zielgerade ein. Dort mussten die Athletinnen allerdings gegen einen starken Gegenwind von 2,8 Metern pro Sekunde ankämpfen. Dieser böige Wind kostete wertvolle Zehntelsekunden und erschwerte jede Jagd nach Bestzeiten. Dennoch behauptete sich Groppe eindrucksvoll und gewann das Meisterschaftsrennen in 24,79 Sekunden vor Felicia von Follenius (24,96 Sekunden) und Lucy Weingarten (25,52 Sekunden). Angesichts der widrigen Bedingungen ist diese Leistung hoch einzuschätzen.

Drei Jahre nach ihrem Titelgewinn bei den Hessischen Meisterschaften in Bad Homburg durfte sich die 21-Jährige erneut als Hessenmeisterin über 200 Meter feiern lassen. Damals hatte sie in 24,57 Sekunden den Titel gewonnen.

„Ihre Zeit von 24,79 Sekunden ist aufgrund des Gegenwinds von fast 3,0 m/sec  sehr stark. Hätte der Wind von hinten geweht, wäre ihre persönliche Bestzeit von 24,12 Sekunden sicherlich in Gefahr geraten“, erklärte Heimtrainer Alwin Wagner.

Für Wagner war es etwas Besonderes, Vivian nach drei Jahren erneut auf dem Weg zum Hessenmeistertitel begleiten zu dürfen. „Wir haben in der Vergangenheit viele wichtige Wettkämpfe gemeinsam erlebt. Es war schön zu sehen, wie sie sich von der Schülerin bis zur erfolgreichen Athletin in der Frauenklasse entwickelt hat. Obwohl ihr bereits in der U20 viele Steine in den Weg gelegt wurden, hat sie sich durchgesetzt. Immer mit dem Ziel „erfolgreich in der Schule, beim Studium und auch im Sport zu sein.  Das zeigt mir, dass sich unsere gemeinsame Arbeit langfristig ausgezahlt hat.“ Auch wenn er sich aus Alters- und Gesundheitsgründen weitgehend aus dem aktiven Trainergeschäft zurückgezogen hat, verfolgt Wagner auch die Auftritte seiner langjährigen Schülerin in den USA mit großer Freude: „Mich haben vor allem Vivians Ruhe, ihre Professionalität und die Selbstverständlichkeit beeindruckt, mit der sie ihre Leistung in Darmstadt abrufen konnte.“

Weniger erfolgreich verlief der Wettkampf für Lorenz Funck über 5000 Meter. Der Melsunger Langstreckenläufer war als Drittplatzierter der Meldeliste ins Rennen gegangen, musste sich jedoch erwartungsgemäß Tobias Schuster (LG Langgöns/Oberkleen, 15:06,07 Minuten) und Tom Knauer (SSC Hanau-Rodenbach, 15:26,60 Minuten) geschlagen geben. Für die Überraschung sorgte Marc Bunzendahl (Altenstadt), der sich mit 15:35,83 Minuten die Bronzemedaille sicherte und damit vor Funck ins Ziel kam. Der sportliche Leiter der MT-Leichtathleten belegte am Ende Rang vier.

Ähnlich verlief der 1500-Meter-Lauf für Maximilian Hartmann. Der Nachwuchstrainer der MT war mit der drittbesten Meldezeit von 4:10,83 Minuten angereist und hatte sich berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille gemacht. Doch erneut machte Marc Bunzendahl den Melsungern einen Strich durch die Rechnung und sicherte sich Bronze. Er überquerte im 1500m-Finale die Ziellinie knapp vor Hartmann, der sich nach großem Kampf ebenfalls mit dem vierten Platz zufriedengeben musste.

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